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Modellkommunen
Übersicht der Modellkommunen: Blankenfelde-Mahlow

Spielleitplanung Blankenfelde-Mahlow

Organisation: Blankenfelde-Mahlow im Landkreis Teltow-Fläming
Karl-Marx-Str. 4
15827
Blankenfelde
Brandenburg
Ansprechpartner: Herr Jörg Eisenschmidt
Website: http://www.blankenfelde-mahlow.de


Projektinhalt
Blankenfelde-Mahlow ist eine grüne Gemeinde mit kleinstädtischem Charakter am südlichen Stadtrand Berlins. Durch eine S-Bahnlinie mit zwei Haltestellen gut an Berlin angebunden, entwickelten sich seit den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts Vorortsiedlungen mit hohem Einfamilienhausanteil und vielfältigem Grün. Seit der Wende kann Blankenfelde-Mahlow wieder vom Zuzug der Städter profitieren, nur etwa 8 % der Erwerbstätigen arbeiten in der Gemeinde, viele pendeln. Auch als Gewerbestandort ist die Gemeinde erfolgreich, hier sind beispielsweise die Rolls-Royce-Flugzeugmotorenwerke ansässig.

Blankenfelde-Mahlow ist mit über 25.000 Einwohnern die einwohnerstärkste Gemeinde des Brandenburger Landkreises Teltow-Fläming und besteht aus insgesamt fünf Ortsteilen: Blankenfelde, Mahlow, Dahlewitz, Jühnsdorf und Groß-Kienitz.

Die Gemeinde liegt am Westrand des im Bau befindlichen Großflughafens Berlin-Brandenburg International (BBI) in Schönefeld und befindet sich damit im unmittelbaren Einfluggebiet. Daraus resultieren erhebliche Belastungen für die Einwohner der Gemeinde, gleichzeitig ergeben sich einmalige Entwicklungschancen. Trotz der prognostizierten Fluglärmbelastung erwartet die Gemeinde eine mittelfristige Bevölkerungszunahme von 14 bis 17 % bis 2020. So sind Siedlungserweiterungsflächen für den Wohnungsbau vor allem im Nordbereich der Gemeinde nahe an Berlin (Ortsteil Mahlow) vorgesehen sowie gewerbliche Bauflächen im östlichen Gemeindegebiet (Ortsteile Groß-Kienitz und Dahlewitz).

Das Vorhaben eine "Spielleitplanung" in Blankenfelde-Mahlow als erste Brandenburger Kommune durchzuführen, entstand im Ausschuss Bildung, Jugend und Sport Ende 2007.
Mit der Formulierung einer „familienfreundlichen Gemeinde“ hatte sich Blankenfelde-Mahlow zuvor in seinem Leitbild zu einer kinderfreundlichen Gemeindeentwicklung bekannt. Die Spielleitplanung sollte den Diskussionsprozess in der Gemeinde weiterführen. Kinder und Jugendliche wurden aktiv in den Prozess eingebunden. Durch geeignete Beteiligungsmethoden wurde ihr Blick auf die Gemeinde eingefangen und zusammen mit den planerischen Erhebungen der Planungsbüros Stadt-Kinder aus Dortmund und Integere aus Berlin bewertet.
Eine ämterübergreifende Arbeitsgruppe zur Spielleitplanung wurde aus Mitgliedern des sozialen Bereiches, des Kommunalservices und des Bauamtes gegründet. Hinzu kamen die Seniorenbeauftragte und der Jugendbeauftragte der Gemeinde. Die Arbeitsgruppe begleitet und steuert den Planungsprozess.
Als Ergebnis entsteht zur Zeit ein Spielleitplan, welcher u. a. Aussagen zur Sicherung, Weiterentwicklung und Neuschaffung von Flächen als Spiel-, Erlebnis- und Aufenthaltsräume beinhalten und Maßnahmen zur kinder- und jugendgerechten Sicherung von Verkehrsflächen sowie zur Schaffung eines siedlungsübergreifenden Wegenetzes abseits der Hauptverkehrsstraßen benennen soll.


Projektdurchführung
Der Entwurf zum Spielleitplan liegt seit Mai 2010 vor. Die Ergebnisse der Planung werden zurzeit in den zuständigen Fachausschüssen der Gemeindevertretung beraten. Gleichzeitig wird der aktuelle Stand der Spielleitplanung parallel zum Flächennutzungsplan der Gemeinde öffentlich ausgelegt. Die Auslegung dauert noch bis Oktober 2010 an. Anschließend soll die abschließende Beratung und Beschlussfassung in der Gemeindevertretung folgen.Zu Jahresbeginn 2010 wurden zwei Starterprojekte eingeweiht. An den Maßnahmestandorten wurden beschilderte Stelen aufgestellt. Dabei handelt es sich um zwei Bolzplätze für Jugendliche.
Im Herbst 2009 wurde ein Beteiligungsverfahren zur Gestaltung der Außenanlagen am Jugendfreizeithaus Blankenfelde begonnen. Jugendliche aus der Einrichtung und dem angrenzenden Quartier entscheiden mit über die Gestaltung ihrer Freizeitflächen.
Außerdem beabsichtigt die gemeindeeigene Wohnungsbaugesellschaft WOBAB im Zuge der gestalterischen Aufwertung eines familiengeprägten Wohngebietes in Blankenfelde, ein umfangreiches Beteiligungsverfahren für Kinder, Jugendliche und Familien ins Leben zu rufen.


Beteiligung von Kindern und Jugendlichen
Im Rahmen der Bestandsaufnahme der Spielleitplanung wurden Befragungen an allen Schulen mit über 280 Schülerinnen und Schülern mittels eines Fragebogens und Stadtplanausschnitten durchgeführt. Die Schüler und Schülerinnen trugen ihre Freizeitorte und Schulwege ein, schrieben auf, wo Gefahrenorte sind und wo sie Stress mit anderen Leuten haben. Außerdem konnten sie Ideen und Projektvorschläge unter der Fragestellung äußern: Was würde ich für Kinder und Jugendliche tun, wenn ich Bürgermeister wäre und ausreichend Geld zur Verfügung hätte? Die Ergebnisse der Befragungen liegen seit September 2009 vor.

Am 28. Mai 2009 starteten parallel insgesamt zehn Streifzüge an verschiedenen Orten im Gemeindegebiet. Begleitet durch zuvor geschulte Mitarbeiter aus den Schulen, Horten und Kindertagesstätten sowie einigen BürgerInnen zeigten die Kinder den Erwachsenen, wo sie spielen, sich treffen und unterwegs sind. Dabei ging es um schöne und schlechte Orte in der Gemeinde. Alle Anregungen der Kinder wurden in Protokollen festgehalten und die begangenen Routen auf einem Stadtplan eingetragen. Am 13. und 16. Juli 2009 wurden zwei weitere Streifzüge in Groß-Kienitz und in Mahlow-Waldblick durchgeführt. Bei allen Streifzügen waren zwischen 6 bis 10 Kinder dabei.

Zukunftswerkstatt

Insgesamt drei Zukunftswerkstätten mit 23 Kindern und Jugendlichen sowie Senioren fanden im Juni und Juli 2009 statt. Moderiert von Christina Petersburs (Stadt-Kinder) und Susanne Fuchs (Integere) arbeiteten die Kinder und Jugendlichen in fünf Gruppen an Stadtplänen und trugen ihre Freizeitorte und Wege ein. Sie diskutierten über Angstorte und Projektideen. Anschließend stellten sie sich gegenseitig ihre Ergebnisse vor und sammelten über 45 Ideen für Projekte auf farbigen Karten. Einen Großteil dieser Ideen nahmen die Kinder und Jugendlichen als Vorlage, um Umzugskartons kreativ zu gestalten. Die Kisten wurden zu einer imposanten Zukunftspyramide gestapelt.

Zukunftspyramide

Auf einer Abschlusspräsentation vor Bürgermeister, Gemeindevertretern, Mitarbeitern der Verwaltung und interessierten Bürgern zeigten Kinder, Jugendliche und Senioren ihre Arbeitsergebnisse und unterzeichneten zusammen mit dem Bürgermeister einen Generationenvertrag.

Projektchronologie: Umsetzungsschritte
Beschluss der Gemeindevertretung im Dezember 2007, neben Flächennutzungsplan und Landschaftsplan auch die Spielleitplanung für die Gemeinde auf den Weg zu bringen.

Im Februar 2009 beteiligen sich viele Träger der Jugendarbeit, aus Schulen, Kindertageseinrichtungen und Vereinen auf der Trägerkonferenz zum Spielleitplan.

Die Auftaktveranstaltung am 31. März 2009 im Bürgerhaus Dahlewitz informierte alle Bürgerinnen und Bürger über die Ziele und das Verfahren der Spielleitplanung.

Im April und Mai 2009 führen die Planungsbüros Befragungen an allen Schulen durch und beteiligen damit über 280 Schülerinnen und Schüler

Im Mai 2009 wurden auch die MitarbeiterInnen aller Kindertageseinrichtungen mit einem Fragebogen dazu befragt, wo sie Verbesserungsmöglichkeiten im Freiraum der Einrichtung und im Umfeld sehen.

Am Weltspieltag 28. Mai 2009 starteten insgesamt zehn Streifzüge an unterschiedlichen Orten im Gemeindegebiet.

Am 25. Juni 2009 fand im Natursportpark Blankenfelde die erste Zukunftswerkstatt unter Beteiligung von 23 Kindern und Jugendlichen statt.

Am 1. Juli 2009 erhielten Senioren der Gemeinde in einer zweiten Zukunftswerkstatt im Bürgerhaus Dahlewitz die Gelegenheit, ihre Wünsche und Projektvorschläge für die Gemeindeentwicklung einzubringen.

Während einer dritten Zukunftswerkstatt am 9. Juli 2009, dem Generationendialog stellten sich Senioren, Kinder und Jugendliche gegenseitig ihre Ideen vor und diskutierten darüber. Auf einer Abschlusspräsentation vor Bürgermeister, Gemeindevertretern, Verwaltung und Bürgern zeigten Kinder, Jugendliche und Senioren ihre Ergebnisse und übergaben dem Bürgermeister einen Generationenvertrag.

Am 20. September 2009 wurden alle bisher gesammelten Hinweise, Kritikpunkte und Ideen auf dem Gemeindesportfest im Natursportpark an einem Stand vorgestellt und konnten ergänzt werden.

Am 10. November 2009 wurden Ergebnisse der Bestandsaufnahme und erste Planungsschwerpunkte in den politischen Ausschüssen vorgestellt.

Die Abgabe des Spielleitplans ist für Anfang Februar 2010 vorgesehen.

Seit Juni 2010 Beratung in Fachausschüssen der Gemeindevertretung. Öffentliche Auslegung des Spielleitplanes im September 2010.

Beschlussfassung der Gemeindevertretung steht noch aus.


Öffentlichkeitsarbeit
Seit der Auftaktveranstaltung im März 2009 wird die Spielleitplanung öffentlichkeitswirksam begleitet. Zum Auftakt entstand ein Plakat und Flyer (siehe Downloadbereich).
Die Befragung in den Schulen und die Streifzüge mit den Kindern wurden durch die regionale Presse begleitet. Hier entstanden verschiedene Artikel. Die Zukunftswerkstätten im Juli 2009 fanden ihren Abschluss mit der Übergabe eines Generationenvertrags (siehe Zeitungsartikel im Downloadbereich)an den Bürgermeister und der Präsentation der Zukunftspyramide mit über 40 Projektideen.

Seit Mitte 2009 finden alle Interessierten entsprechende Informationen zur Spielleitplanung sowie Termine auf der Webseite der Gemeinde unter www.blankenfelde-mahlow.de/spielleitplanung.

Am 23.02.2010 wurde das erste von zwei Starterprojekten, die Um- und Neugestaltung der Spielflächen rund um das Jugendfreizeithaus Blankenfelde, unter Beteiligung der regionalen Presse (Print und TV) eingeweiht.

Erfolge und Schwierigkeiten
O-Ton Fr. Pankoke, Leiterin der Kita Tabaluga:
Für den frühkindlichen Bereich der Gemeinde, der 12 Kindereinrichtungen von der Krippe bis zum Hort umfasst, war dies ein neues Thema. Ausdruck des Interesses der Fachkräfte war die aktive Beteiligung an der Einführungsveranstaltung und den nachfolgenden Aktionen. Für das Team des Planungabüros Integere war das durchaus herausfordernd. Dabei waren die Vorstellungen und Ideen, wie sich auch jüngere Kinder an diesem Projekt beteiligen können, Gegenstand der Diskussion. Alle waren gespannt auf die Erkenntnisse der Streifzügen, die auch mit Kitakindern unternommen werden sollten.

In der Kita Tabaluga machten sich Ende Mai bei strömenden Regen 6 Kinder zwischen 5 und 6 Jahren, eine interessierte Mutter, Gerlind Biesterfeld, und die Leiterin, Friderike Pankoke, auf den von den Kindern vorzugebenden Weg. Da sich die Kinder in ihren Zielen an den Spielmöglichkeiten im näheren und weiteren Umfeld ihrer Wohnungen orientierten, führte der Streifzug an sehr unterschiedliche Orte im Ortsteil Blankenfelde. Vom Glasowbach bis zur Neubausiedlung „Grüner Weg“, mit ihren zum Teil sehr attraktiven Spielplätzen streiften wir über zwei Stunden durch den Ortsteil. Die Kinder bestimmten den Weg, verhandelten miteinander und erklärten sich gegenseitig die Orte. Wir Erwachsenen dokumentierten mit Foto und Schrift.
Das Material wurde anschließend der Steuerungsgruppe des Projektes zur Verfügung gestellt.
Für die pädagogischen Fachkräfte der Kita Tabaluga wurde einmal mehr deutlich, wie interessant und wichtig für die Kinder die gemeinsame Erkundung ihres Wohnumfeldes ist. Auch über das Projekt Spielleitplanung hinaus finden wir gemeinsam mit den Kindern immer wieder Möglichkeiten für solche Erkundungen als Bestandteil der frühkindlichen Bildung in unserer Kita.


O-Ton R. Müller, Seniorenbeauftragte der Gemeinde:
Es war wichtig, dass eine Bestandsaufnahme von Spiel- und Freizeiteinrichtungen in allen Ortsteilen unserer Großgemeinde zusammengetragen wurde. Darauf konnte eine aufbauende Ergänzung und Bewertung entwickelt werden.
Aus meiner Sicht fand ich dabei sehr gut, dass alle Altersgruppen von Kindergartenkindern bis Senioren in die Entwicklung des Konzeptes einbezogen wurden.
Nun ist es aber wichtig, dass mit den Projekten begonnen wird, da schon sehr lange darüber diskutiert wurde. Man sollte mit solch Dingen beginnen, die für unsere Gemeinde wenig kosten und leicht zu verwirklichen sind z.B. Birkenwäldchen.

Ausblick
Als Ergebnis des bisherigen Planungsprozesses zur Spielleitplanung soll im Frühjahr 2010 ein erstes Arbeitsexemplar zum Spielleitplan Blankenfelde-Mahlow vorliegen und zunächst in einer verwaltungsinternen Arbeitsgruppe besprochen werden. Anschließend ist eine Vorstellung und Beratung in den zuständigen Fachausschüssen für Bildung, Jugend und Sport sowie für Bau-, Umwelt- und Territorialfragen geplant. Abschließend soll die Beschlussfassung in der Gemeindevertretung folgen, sowie eine öffentliche Präsentation der Ergebnisse für alle Bürger.

Planungsaussagen des Spielleitplanes sollen in den Flächennutzungsplan der Gemeinde, der sich zur Zeit im Aufstellungsverfahren befindet, einfließen.

Für die Umsetzung von Maßnahmenvorschlägen aus der Spielleitplanung müssen geeignete Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten z.B. aus der Flughafenumfeldentwicklung gefunden werden. Erste Planungsergebnisse der Spielleitplanung wurden bereits als Grundlage der Beantragung von Sonderfördermitteln des Landes Brandenburg für die Spielplatzneuanlage erfolgreich genutzt.

Am Planungsprozess beteiligten sich viele interessierte Bürger der Gemeinde. Es bleibt zu hoffen, dass der Prozess einer kinder- und familienfreundlichen Gemeindeentwicklung, der mit Hilfe der Spielleitplanung mit konkreten Planungsinhalten versehen wurde, weitergeführt werden kann. Mit dem Natursportpark in Blankenfelde, dem alten Gutspark in Dahlewitz und der sanierten Deponie in Mahlow birgt das Gemeindegebiet Blankenfelde-Mahlow eine Vielzahl an Potenzialen für die Entwicklung freiraumbezogener Spiel-, Bildungs- und Sportaktivitäten.

Finanzierung
Die Finanzierung der Spielleitplanung in Blankenfelde-Mahlow erfolgte ausschließlich durch kommunale Eigenmittel. Für begleitende Aktionen und Öffentlichkeitsarbeit wurde die Gemeinde aufgrund ihrer Vorreiterrolle in Brandenburg durch das Deutsche Kinderhilfswerk materiell und personell unterstützt.

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